Der Internetmarktplatz eBay ist in aller
Munde. Anfangs tummelten sich dort vor allem Privatleute. Inzwischen
werden große Teile der Angebote jedoch von professionellen Händlern
gemacht. Da drängt sich die Frage auf, ob das Auktionshaus auch für
den Direktvertrieb von landwirtschaftlichen Produkten taugt.
Macht man sich einmal den Spaß, auf der Startseite von eBay beliebige
Stichworte einzugeben, dann realisiert man schnell, dass es kaum etwas
gibt, was es nicht gibt. Da verkaufen ehemalige Studenten ihre Diplomarbeiten,
Philatelisten ihre Sammlungen und Insolvenzverwalter verwerten das
Inventar ganzer Firmen. Existenzgründer versuchen es mit ihren neuen
Produkten vorzugsweise bei dem Internetauktionshaus. Frei nach dem
Motto, was bei eBay nicht läuft, lässt sich vermutlich nirgendwo verkaufen.
Angesichts eines täglichen Angebots von ca. zwei Millionen Artikeln
und ca. 12 Millionen registrierten Usern allein bei eBay-Deutschland,
drängt sich die Frage auf, inwieweit der globale Internetmarktplatz
ein nützliches Tool für Direktvermarkter landwirtschaftlicher Produkte
sein könnte. Aus Konkurrenzüberlegungen sind in der Regel von den
Verkäufern keinerlei Informationen zu bekommen. Aus dem vielfältigen
Angebot der Akteure und aus dem eBay eigenem Ratingsystem lassen sich
jedoch hinreichende Ergebnisse ableiten, die belegen, dass die Plattform
durchaus auch für den Vertrieb landwirtschaftlicher Endprodukte überraschend
positiv nutzbar ist.
Da die über Internet vertriebenen Artikel meist per Paketdienst verschickt
werden, kommen aufgrund der resultierenden Zeitverzögerung vor allem
Produkte in Frage, die eine längere Haltbarkeit aufweisen. Genau solche
Produkte aus dem Lebensmittelbereich finden sich den auch zuhauf bei
eBay: Wurst, Schinken, Käse, Honig, Speiseöle, Kürbiskerne, Hanf oder Brot. Aber es gibt auch non-food Produkte wie z.B. Dinkelspreu
als Kissenfüllung.
Hinter Usernahmen wie „lehern“ oder „ziegenzuchtverein“
verbergen sich Sennereien, die ihre Käseprodukte an den kulinarisch
anspruchvollen Verbraucher bringen wollen. „jammelaya“ verkauft in
großen Stückzahlen Schinken aus eigener Herstellung und „murgtalimkerei“
versucht es mit den Produkten aus der Imkerei, während es „mcs_waltrop“
und „lise60“ u.a. mit Speiseölen versuchen. Aus der einen oder anderen Produktbeschreibung
geht hervor, dass mancher Vertreiber auf mehrere Pferde setzt und
auch noch einen eigenen Webshop führt. So kann eBay ganz nebenbei
noch dafür sorgen, dass neben der Verkaufsfunktion auch eine Werbefunktion
erfüllt wird und dies bei geringen Kosten. Auch bei Nischenprodukten
sind 50 bis 60 Seitenabrufe keine Seltenheit.
Unter den genannten Beispielen ist mindestens ein Verkäufer,
der den eBay-Powersellerstatus erlangt hat. In den „Adelsstand“ der
Powerseller wird ein Verkäufer erst dann erhoben, sofern er in drei
aufeinander folgenden Monaten einen Durchschnittsumsatz von jeweils
3000 Euro erzielt hat. Fast allen Beispielusern gemein sind mehre
hundert Beurteilungen der Kunden innerhalb von sechs Monaten. Da pro
Käufer nur eine Bewertung in das Rating eingeht, auch wenn mehrere
Käufe getätigt wurden, kann ergo die Gesamtzahl der Verkäufe noch
höher liegen. Diese Zahlen machen deutlich, dass man über den Internetmarktplatz
signifikante zusätzliche Umsätze generieren kann.
Die meister Vertreiber landwirtschaftlicher Produkte arbeiten
ausschließlich mit Festpreisen, so dass es im Gegensatz zu reinen
Auktionen auch keine bösen Überraschungen bei den Preisen geben kann.
Die Gebühren für ein Festpreisangebot mit einem Verkaufspreis bis
zu 24,99 Euro liegen bei 80 Cent. Hinzu kommen 5% Verkaufsgebühr sofern
das Produkt verkauft wird. Über den Daumen gerechnet, betragen die
Gesamtgebühren ca. 10% des Verkaufspreises.
Allerdings sollte man diese Gebühren zum Teil als Bonus
zum Werbebudget ansehen, da man im Fließtext ausreichend Gelegenheit
hat, seine Produkte, sein Ladengeschäft und ggf. die eigene Internetseite
zu promoten. eBay bringt als
Gegenleistung eine potentielle Kundschaft von 12 Millionen Menschen
ein! Ein solches Kundenpotential wird man über einen eigenen Internetshop
vermutlich nie zu so niedrigen Kosten erreichen.
|